Angst vor falschen Entscheidungen?

Von „Was soll ich anziehen?“ über „Welchen Film wollen wir schauen?“ bis hin zu „Soll ich den Job annehmen?“ oder „Soll ich eine Familie gründen?“: Wir müssen ständig Entscheidungen treffen. Unser Alltag hält bereits eine schier unendliche Menge von Optionen zur Auswahl. Auch größere Lebensentscheidungen stehen hin und wieder an. Und auch hier bieten sich uns etliche Möglichkeiten. Doch wer die Wahl hat, hat bekanntlich die Qual. Das Sprichwort lässt schon erahnen, was viele kennen: Die Konfrontation mit einer Vielzahl an Möglichkeiten kann Stress auslösen. Manche haben regelrecht Angst vor falschen Entscheidungen.

Es können sich jedoch nicht nur vor der Entscheidung Zweifel und Sorgen einstellen, sondern auch danach. Denn die Entscheidung für eine bestimmte Option ist gleichzeitig eine gegen alle anderen. Und wer sagt, dass die abgelehnten Optionen nicht viel besser gewesen wären?

Was, wenn es noch was besseres gibt?

Vielleicht kennst du die Abkürzung FOMO, also die Angst, etwas zu verpassen. Aber hast du schon mal von FOBO gehört? Dahinter steckt Fear Of Better Options. Hier geht es um die Angst vor besseren Optionen. Wenn wir eine Entscheidung treffen, soll sie möglichst gut sein. Am besten perfekt. Dahinter steckt der Wunsch, das eigene Leben so optimal wie möglich zu gestalten. Ein Artikel im Magazin Flow befasst sich auch anschaulich mit dem Thema.

Mehr Möglichkeiten = mehr Furcht vor falschen Entscheidungen

Gerade in Zeiten von Social Media kann man schnell den Eindruck gewinnen, falsche Entscheidungen getroffen zu haben. Instagram, Facebook und Co. verleiten dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Sehen wir abenteuerliche Urlaubsfotos von anderen, scheint der eigene Urlaub vielleicht gleich viel unspektakulärer. Weniger wertvoll. Also doch die falsche Entscheidung getroffen? Das falsche Hotel gebucht? Den falschen Urlaubsort gewählt?

Ähnliche Fragen kommen in etlichen anderen Bereichen auf: Beruf, Kleidung, Lebensstil, Freunde, Familie, Ernährung, etc. Die Anzahl der Möglichkeiten ist unendlich. Wie soll man da wissen, was die richtige Entscheidung ist? Dieser nagende Gedanke an eine falsch getroffene Entscheidung kann Angst machen.

So kommt es zu einem Paradox: Die Fülle von Optionen bringt mehr Verunsicherung als Freiheitsgefühle mit sich. Und diese Verunsicherung bleibt manchmal eben auch nach der getroffenen Entscheidung zurück. Schließlich könnte man ja eine bessere Option verpasst haben. Dahinter steckt die Illusion einer optimalen Lebensführung. Diese Optimierung des eigenen Lebens beschränkt sich nicht nur auf Konsumgüter, sondern eben auch auf Beziehungen und Freundschaften.

Sätze wie „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ können Mut machen und motivieren. Nicht von äußeren Faktoren abhängig zu sein, kann befreiend wirken. Doch es kann gleichzeitig auch beängstigend sein. Was, wenn man sich jetzt falsch entscheidet? Dann ist man für sein eigenes Unglück doch ebenso verantwortlich wie für das eigene Glück. Im Umkehrschluss sind dann nicht mehr Pech oder andere äußere Umstände an der Misere verantwortlich, sondern ausschließlich man selbst. Das kann einen unter Druck setzen und Angst vor falschen Entscheidungen schüren. Dabei haben wir auf viele Dinge überhaupt keinen Einfluss.

Balance zwischen Entscheidungsgröße und Zeitaufwand finden

Der Psychologin Dorien van der Meer zufolge braucht es ein gewisses Maß an Selbstvertrauen, um Entscheidungen zu treffen. Das Selbstbild spielt demnach auch eine Rolle bei der Entscheidungsfindung. Sie vermutet, dass viele den Kontakt zu sich selbst verloren haben und daher im Außen nach Antworten suchen. Statt sich selbst eine Entscheidung zuzutrauen, befragen einige Menschen erst einmal etliche andere Leute und das Internet und sind anschließend immer noch nicht weiter in ihrer Entscheidungsfindung.

Van der Meer unterscheidet zwischen kleinen, mittleren und großen Entscheidungen.

Kleine sind es nicht wert, zu viel Energie und Zeit in das Abwägen des Für und Widers zu stecken. Falls man zwischen zwei Kaffeesorten bei der Bestellung schwankt, sollte man einfach eine Münze werfen und die andere Sorte beim nächsten Mal bestellen.

Bei mittelgroßen Entscheidungen, wie beispielsweise der Anschaffung eines neuen Kleidungsstücks, solle man sich selbst Grenzen setzen. Zum Beispiel indem man nur eine gewisse Zeit für die Suche einplant und diese nicht überschreitet.

Stehen große Entscheidungen an, ist es hilfreich, die eigenen Werte zu kennen.

Werte dienen als Kompass bei der Entscheidungsfindung

Unsere Werte beziehungsweise Wertvorstellungen beziehen sich auf das, was uns persönlich wünschenswert erscheint. Dazu zählen beispielsweise Selbstbestimmung, Freiheit, Macht, Sicherheit, Dankbarkeit, Fürsorge, Nachhaltigkeit, Verlässlichkeit, Umweltschutz, Tradition und so weiter. Diese Liste ist nicht erschöpfend.

Es gibt zum Beispiel auch eine Einteilung von 19 verschiedenen Werten in vier Dimensionen. Diese 19 Werte werden den Dimensionen Wachstum, Gemeinschaftsbezug, Selbstbezug und Veränderung zugeordnet. Eine andere Liste von Werten findest du auf der Seite einguterplan.de, wo du auch direkt einen Werte-Test machen kannst. Werte sind individuell. Daher sind Entscheidungen, die andere getroffen haben, für dich nicht zwingend richtig.

Angst vor falschen Entscheidungen mit den eigenen Werten vorbeugen

Werte ändern sich mit der Zeit. Daher ist es sinnvoll, hin und wieder mal die eigenen Werte zu überprüfen. Das kannst du beispielsweise mit dieser Meditation von Diplom-Psychologin und Achtsamkeitslehrerin Katja Fleck. Neben der Meditation findest du hier auch noch Arbeitsblätter zur Reflexion der Erfahrungen, die du während der Meditation gemacht hast. Falls du dich von Entscheidungen (oder im Allgemeinen) schnell stressen lässt, ist das Thema Achtsamkeit vielleicht ohnehin etwas, das du dir einmal näher anschauen könntest.

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Auf der Seite von 7mind findest du auch noch einen Artikel zum Thema sowie ein paar Tipps zur Entscheidungsfindung. Außer eine klassischen Pro-und-Contra-Liste anzulegen, könntest du auch deine Bewertungen hinter den Entscheidungsmöglichkeiten hinterfragen. Statt diese nur als richtig oder falsch zu kategorisieren, könntest du auch nach einem Mittelweg suchen. Eine Möglichkeit, die eigene Entscheidungsangst zu reduzieren, ist folgende: Suche nicht nach der „perfekten“ Option, sondern nach der, die gut genug ist.

Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird.

Charles de Gaulle

Den Job zu kündigen oder eine Beziehung zu beenden, sind natürlich schwierigere Entscheidungen als die Wahl zwischen zwei Kaffeesorten. Solltest du gerade vor einer großen Entscheidung stehen und eine starke Verunsicherung spüren, kannst du dir auch psychologische Unterstützung suchen. Zum Beispiel bei der Online-Psychologin Svenja Bauer, welche dir mit einer Entscheidungssafari bei deinen Überlegungen unter die Arme greifen kann.

Noch ein paar Tipps zum Schluss:

Was kannst du tun, wenn du an deiner getroffenen Entscheidung zweifelst?

  • Werde dir bewusst, dass es keine perfekten Entscheidungen gibt

Du kannst nicht in die Zukunft sehen und daher auch nicht wissen, welche Vor- oder Nachteile deine Entscheidung im Endeffekt wirklich mit sich bringt. Der Psychologe Barry Schwartz rät zudem zur Genügsamkeit. In dem Meer aus Möglichkeiten solle man sich auf das Wesentliche konzentrieren.

„Wählen Sie die erste Alternative, die Ihren Ansprüchen genügt. Dann hören Sie auf zu suchen.“

Barry Schwartz

  • Einzelnen Entscheidungen nicht so viel Bedeutung beimessen

Wenn es um kleine oder mittlere Entscheidungen geht, grüble anschließend nicht mehr darüber nach. Du hast vor deiner Entscheidung mit den Informationen gearbeitet, die dir zu dem Zeitpunkt zur Verfügung standen. Außerdem haben wir niemals alle möglichen Informationen für eine Entscheidung.

Vielleicht konntest du bestimmte Dinge gar nicht in deine Überlegungen einbeziehen, weil du sie in dem Moment einfach nicht hattest. Außer dem geht es bei kleineren Entscheidungen nicht um Leben und Tod. Ob du jetzt einen Schoko- oder einen Blaubeermuffin im Café bestellst, wird kaum größere Auswirkungen auf dein weiteres Leben haben.

  • Fehler sind unvermeidbar

Erlaube dir selbst, Fehler zu machen. Aus Fehlern lernen wir und es ist kein Weltuntergang, wenn du dich mal „falsch“ entscheidest. Außerdem sollten wir unsere Einstellung gegenüber vermeintlichen Fehlern vielleicht mal überdenken. Immerhin heißt es nicht umsonst, dass man aus Fehlern lernt. Gerade schwierige Erfahrungen tragen häufig zum Wachstum bei. Falsche Entscheidungen können uns dabei helfen, uns selbst besser kennen zu lernen. Sie zeigen uns, was wir möchten und was nicht und was für uns im Leben zählt.

  • Verzeihe dir selbst

Wenn du doch mal eine wirklich ungünstige Entscheidung getroffen hast, gehe nicht zu hart mit dir ins Gericht. Übe dich in Selbstmitgefühl. Wie gesagt, du kannst nicht hellsehen und konntest deine Entscheidung nur aufgrund der dir vorliegenden Informationen treffen. Du hast die Entscheidung nicht leichtfertig getroffen, sondern alles durchdacht. Trotzdem kann jeder mal etwas übersehen. Wenn du dich selbst für eine vermeintlich falsche Entscheidung schlecht machst, fallen dir künftige Entscheidungen wohlmöglich noch schwerer.

Fällt es dir leicht Entscheidungen zu treffen und anschließend nicht weiter darüber nachzudenken? Oder grübelst du ewig vor einer Entscheidung und hast anschließend deine Zweifel? Wie ist es bei dir?

Hey, ich bin Kerstin.

Und ich möchte dich dabei unterstützen, deine persönliche Strategie für weniger Stress und mehr Zeit für dich selbst zu gestalten.

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